Audrey Werro: Triumph und mentale Stärke auf dem Weg zur Europameisterschaft

An Audrey Werro führt in diesem Sommer über 800 Meter kaum ein Weg vorbei. Die 22-jährige Freiburgerin läuft von Erfolg zu Erfolg: Ende Juni pulverisierte sie in Paris ihren eigenen Schweizer Rekord, und am Freitag triumphierte sie an der Athletissima in Lausanne. Der größte Coup gelang ihr jedoch wenige Tage zuvor, als sie sich in Birmingham zur Europameisterin krönte. Der Traum schien kurzzeitig zu platzen, als Werro im EM-Halbfinal stürzte und abgeschlagen ins Ziel kam. Nach einem erfolgreichen Rekurs erhielt sie dennoch einen Platz im Final. "Ich habe gedacht, es könnte sein, dass der Traum aus ist. Ich habe mich darauf eingestellt, dass ich nicht teilnehmen kann, damit ich dann nicht völlig enttäuscht bin", erzählt sie am Sonntag im „Sportpanorama“ bei SRF. Weniger als 24 Stunden später stand Werro wieder an der Startlinie und bezwang im Final die Olympiasiegerin Keely Hodgkinson. Die größte Herausforderung war jedoch nicht physisch, sondern mental: "Meiner Meinung nach war das Mentale das Schwierigste. Es ist etwas anderes, in einen Final zu gehen, ohne die Qualifikation geschafft zu haben." Dank einer Mentaltrainerin vor Ort konnte Werro ihre Gedanken ordnen und sich auf den Final konzentrieren. "Ich habe durch meinen Mentalcoach gelernt, selbstbewusst zu sein. Auch zu akzeptieren, dass ich wirklich meinen Platz habe in der Elite." Früher hatte Werro oft zu großen Respekt vor ihren Mitbewerberinnen, was sie manchmal daran hinderte, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Ihre Leidenschaft für den Wettkampf zeigte sich bereits in der Kindheit, als sie beim Einkaufen mit ihrer Mutter Wettkämpfe veranstaltete. Heute fehlen Werro nur noch 52 Hundertstel zum Weltrekord, und am Donnerstag startet sie bei Weltklasse Zürich. Der Weltrekord von Jarmila Kratochvílová liegt bei 1:53,28 Minuten, während Werros Schweizer Rekord bei 1:53,80 steht. Sie weiß, dass diese Marke in Reichweite liegt, bleibt jedoch gelassen: "Man darf nicht zu viel nachdenken, man muss einfach rennen."
Source: 20 Minuten - 2026-08-24